Destillation und Weinhandlung

 

In dem in der Meißnerstraße 8 in Berkatal-Frankenhain gelegenen Anwesen wurden 142 Jahre lang (von 1850 bis 1992) leckere Spirituosen, Liköre und Branntwein hergestellt. Im Jahr 1850 gründete Johann Peter Hofsommer in Frankenhain eine Destillation und Weinhandlung. Dazu wurde eigens ein Schnapskeller gebaut. In diesem Kellergewölbe wurden bis zu 30 verschiedene Liköre und Branntweine hergestellt und in Eichenfässern mit einem Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern gelagert. Die ersten Rezepte hat Johann Peter Hofsommer von diversen Reisen nach Thüringen und Sachsen mitgebracht. Viele weitere Rezepte wurden dann in Frankenhain entwickelt und verfeinert.

Frankenhain war zu der Zeit ein Fuhrmannsdorf. Die „Hainer Fuhrleute“ transportierten das Salz, welches in Bad Sooden Allendorf gewonnen wurde mit ihren Pferdefuhrwerken bis nach Frankreich. Auf ihrem Rückweg brachten sie Wein, andere Waren oder Zutaten für die Schnapsherstellung mit nach Frankenhain.

 

Oftmals waren es auch Ideen oder Anregungen aus anderen Regionen, welche die Fuhrleute mit nach Hause brachten. Die Ideen wurden von Johann Peter Hofsommer umgesetzt, weiterentwickelt, und die Rezepte immer weiter verfeinert und an die Trinkgewohnheiten der Region angepasst. So entwickelten sich über die Jahre eine Vielzahl von Rezepturen, die sich bis heute im Besitz der Familie Pippert befinden und gehütet werden. 

Korn oder Wacholder wurde aus hochprozentigem Alkohol, Wasser und Destillaten hergestellt. Beim Likör kam zusätzlich noch Zucker hinzu. Für das Aroma und den Geschmack wurden schon damals ausschließlich natürliche Aromen und Essenzen verwandt.
Die sorgsame Auswahl bester Zutaten und die jahrzehntelange Erfahrung garantierten für eine gleichbleibend hohe Qualität, die die Spirituosen und Liköre aus Frankenhain einzigartig machten.
Der Likör wurde in Korbflaschen oder Holzfässer abgefüllt und an die Gaststätten geliefert. Erst in den 60er Jahren begann die Umstellung auf Flaschen mit einem Inhalt von 0,7 Ltr. oder 1 Ltr.
Die Abfüllung und die Etikettierung erfolgte in den 142 Jahren der Firmengeschichte ausschließlich per Hand. Es war folglich um eine „Spirituosen-Manufaktur“ in der sehr viel Wert auf handwerkliche Herstellung und Verarbeitung der Rohstoffe gelegt wurde.

Vor dem 2. Weltkrieg erfolgt die Belieferung der Gaststätten mit einem Pferdefuhrwerk und nach dem Krieg dann mit einem VW Bulli T-Modell und einem VW Variant. Viele Kunden kauften ihren Schnaps in Frankenhain direkt beim Hersteller. Das wurde immer verbunden mit einer individuellen Probe im Schnapskeller. Jedes neue Produkt musste selbstverständlich erst verkostet werden, bevor es den Weg zum Kunden fand.


Die bekanntesten Sorten in den 70er und 80er Jahren waren: Meißner Tropfen, Meißner Berggeist, Meißner Kräuterbitter, Schlehen mit Rum, Original Jamaica Rum, Kümmel-Likör, Pfefferminzlikör, Persico, Sauer Apfel, Boonekamp, Warmer Peter, Apricot Brandy, Schlachteschnaps.

Die Firma wurde in 3 Generationen von der Familie Hofsommer geführt. Nach dem Tod von Peter Hofsommer, dem Enkelsohn des Firmengründers Johann Peter Hofsommer, heiratete dessen Witwe Dina im Jahr 1926 den Geschäftsmann Johannes Pippert, der aus Obergeis bei Bad Hersfeld stammte, und der das Geschäft, später dann gemeinsam mit seinem Sohn Hans, weiterführte. Seit dieser Zeit ist in der Region um den „Hohen Meißner“ und darüber hinaus der Name Pippert untrennbar mit leckeren Schnäpsen und Likören verbunden. Nach dem Tod von Hans Pippert im Jahr 1984 führte Hildegard Pippert das Untermehmen bis in das Jahr 1992 weiter.


Auf dem Spirituosenmarkt setzten sich in den 70er und 80er Jahren immer mehr stark umworbene Marken durch, die industriell hergestellt wurden und über Groß- und Supermärkte vermarktet wurden. Trotzdem gelang es dem Familienunternehmen über lange Jahre sich mit guter Qualität und sehr viel Engagement in einem schwer umkämpften Markt zu behaupten.

Eines der bekanntesten Produkte des Unternehmens war der „Frankenhainer Schlachtschnaps“. Er wurde zunächst nur im Winterhalbjahr an die Landwirte verkauft, die ihren Betrieb im Nebenerwerb führten, und die zu der Zeit Hausschlachtungen durchführten. Der besonders gute Geschmack und die Bekömmlichkeit fiel dem Wirtsehepaar Müller aus der Gaststätte „Zum Stern“ in Frankenhain auf, die ihren Gästen nach dem Essen einen „Schlachteschnaps“ servierten. Das führte zu einer weiteren Popularität. Nach der Einstellung der Spirituosen-Manufaktur im Jahr 1992 gab es unzählige Versuche den Original „Frankenhainer Schlachteschnaps“ zu kopieren. Gelungen ist es niemandem und das Original-Rezept wird auch heute noch an einem sicheren Ort verwahrt.

In 1992 endete eine 142 jährige Firmengeschichte, aber die Geschichten und Anekdoten über die Schnäpse, die in Frankenhain hergestellt wurden, kursieren noch heute in der Region um den „Hohen Meißner“, weil jeder, der zu der Zeit in der Region lebte, in seinem Leben mindesten einmal einen Schnaps aus Frankenhain probiert hat und dazu bestimmt auch eine Geschichte erzählen kann.